Achimer Speeldäl probt Stück „Alles Werbung, oder was?“

Die Achimer Speeldäl betritt Neuland: Zum ersten Mal spielt die Theatergruppe ein hochdeutsches Stück.

 

So sollte die Flucht nicht enden: „Hände hoch“, krächzt Ole Helm hinter der Kulisse. Davor heben die beiden in Schwarz gekleideten Frauen mit Feinstrumpfhosen auf dem Kopf die Hände. Die Tasche mit der Beute aus dem Bankraub fällt zu Boden.

 

Nena Kelm zittert in der Rolle der Roberta Grunewald um ihre Freiheit, während Imke Leith als Jackpot-Joanna die Coole mimt, die sofort zu erklären versucht, warum sie mitten in der Werbeagentur stehen. Im ersten Akt des Stücks „Alles Werbung, oder was?“ geht es hoch her. Die beiden Bankräuberinnen verstricken sich in immer mehr Lügen und drohen durch einen Papagei aufzufliegen.

 

Der Titel verrät es schon, die Achimer Speeldäl spielt das erste Mal auf Hochdeutsch. Ein Projekt, das Nena Kelm und Mareike Stadtlander im vergangenen Jahr angegangen sind, um Nachwuchs für das Laienschauspiel allgemein und die plattdeutsche Gruppe im Speziellen zu gewinnen.

 

Das hat über private Kontakte, Workshops und die Internetseite gut geklappt. Für acht Frauen und einen Mann ein Stück zu finden, war für Stadtlander nicht leicht. Zu oft ließen sich die Rollen nicht anpassen. „Es gibt vielleicht zwei bis drei Autoren, die geschlechtsneutral schreiben.“ Beim Plausus Verlag stieß sie schließlich auf die Komödie des Schweizer Autors Atréju Diener, die perfekt zu den Darstellenden passte. Einerseits, weil es sich eignete, die Männerrollen für die Frauen umzuschreiben, und weil der Verlag kein Problem damit hatte, die Charaktere dementsprechend abzuändern.

 

Andererseits, weil die Rolle der Influencerin wie für die 17-jährige Marlene Leith gemacht ist. „Sie ist ein bisschen dämlich und naiv angelegt“, erklärt Stadtlander. Das ist Marlene freilich nicht, doch verkörpert sie die Rolle sehr überzeugend, lobt die Regisseurin. Ihr gefielen besonders die junge Rolle, die Dynamik und die humorvollen Witze. Kein Wunder also, dass es im Verlag sehr beliebt ist und auf mehreren Bühnen dieses Jahr gespielt wird.

 

Die jetzige Truppe hatte sich Mitte Oktober gefunden. „Es ist nicht eben so gemacht“, sagt Kelm. Je näher die Premiere rückt, desto intensiver wird die Probenzeit. Inzwischen treffen sie sich jeden zweiten Tag. „Es darf keiner krank werden zur Aufführung, denn wir haben keine Zweitbesetzung.“

 

Für die insgesamt junge Gruppe – die Darstellenden sind zwischen 17 und 55 Jahre alt – gibt es mit der Premiere am 19. April ab 20.30 Uhr im Gasthaus Röhrs in Sottrum gleich mehrere erste Male. Es ist das erste hochdeutsche Stück, das sie aufführen – auf einer Bühne, auf der die Speeldäl noch nie zuvor gespielt hat.

Text: Anne Leipold, Kreiszeitung

Bild: Anne Leipold

Erschienen: 12. April 2024

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