Für einmal spielt das Ensemble nicht vor einer historischen Kulisse, sondern vor einer eigens gebauten Bühne mit nachgebautem Grimselhospiz. Während die Landschaft im Brennpunkt steht, verzehrt sich der Protagonist Peter Zybach nach seiner Jugendflamme und stürzt in ein Unglück, das nach 200 Jahren seine Spannung nicht verloren hat.
Auch wenn die Begebenheit sich vor rund 200 Jahren abspielte, ist die Geschichte von Peter Zybach im Haslital immer noch präsent. Der berühmte Hotelpionier auf der Grimsel beging den ersten bekannten Versicherungsbetrug der Schweiz.
«Enrico Maurer und Atréju Diener haben nach passenden Stoffen recherchiert und sind 2020 auf die Akte Zybach gestossen, also den Gerichtsfall von Peter Zybach», blickt Produktionsleiter Tristan Jäggi zurück. Bei der Premiere im Landschaftstheater Ballenberg wird sichtbar, dass die Dramatik aus der Zeit der Tourismusblüte immer noch Spannung beinhaltet – inklusive Rauch und Flammen.
Nur das Wetter ist trocken
Einen Gerichtsfall zu inszenieren, tönt auf den ersten Blick eher trocken. «Deshalb habe ich versucht, die Geschehnisse sinnlich und poetisch zu erzählen», erzählt Simon Burkhalter, der Regisseur von «Akte Zybach». Die Musik spielt dabei eine wichtige Rolle, dazu gibt es Rückblenden, in denen die Jugendzeit der Protagonisten dargestellt wird und grosse Bilder mit fast hundert Kostümen, Maske und Scheinwerferlicht. Und sogar Flammen.
Mit dem Feuer gespielt
Als Tristan Jäggi zum ersten Mal von der Idee hörte, ein Haus anzuzünden, war er skeptisch. Ein historisches Haus kommt da natürlich nicht infrage. Also hat das Produktionsteam den Ansatz einer künstlichen Bühne geprüft und weiterverfolgt. Und so kommt es, dass das Grimselhospiz samt Bühnenelementen in die Landschaft gestellt wurden. Sie wird dadurch noch mehr in die Hauptrolle gerückt – was eigentlich perfekt zum Begriff «Landschafts»-Theater passt.
Eine Insel im Museum
«Auf eine Art verlässt man den Ballenberg, ist aber gleichzeitig mittendrin», so empfindet Regisseur Simon Burkhalter den Theaterplatz in der Senke unterhalb des Bauernhauses aus Villards-Bramard. In der Kombination ist auf diese Weise «Ballenberg total» entstanden – eine reizvolle Ausgangslage für die Regiearbeit des Berner Theatermanns.
Neu und bestehend
Wie immer im Ballenberg setzt die Produktionsleitung auf ein bewährtes Laienensemble und erfahrene Spezialisten bei Licht, Ton, Bühnenbau, Kostüm, Requisiten und was es sonst noch hinter den Kulissen braucht. Dazu kommen jedes Jahr frische Profis auf die Bühne, dieses Jahr Daniel Bill, Reto Stalder und Aline Beetschen. Die Ringgenbergerin begann ihre Karriere im Landschaftstheater Ballenberg und springt als Ersatz für Alessya Omlin ein, die wegen eines Freizeitunfalls verhindert ist.
Sichere Pyrotechnik
Neu sind dieses Jahr auch die Pyrotechniker, welche für die Flammen zuständig sind. Sicherheit war ein Hauptkriterium für Produktionsleiter Tristan Jäggi. Die Fachleute von Swiss Action Stunts GmbH stellen sicher, dass die Flammen den Versicherungsbetrug wirkungsvoll darstellen, aber kein Risiko darstellen.
Auch wenn das Technische stimmt, gibt es beim Timing kleinere Unsicherheiten. Bläst der Wind die Fackel aus und züngeln die Flammen im richtigen Moment in die Höhe? – bei der Premiere klappte dieses Kunststück genauso wie alles andere reibungslos. Doch wird der zeitliche Ablauf auch bei den übrigen Aufführungen klappen? «Wir werdens sehen», gibt sich Tristan Jäggi gelassen. Wenn alles perfekt voraussehbar wäre, fände er Theater gar nicht lustig.
Auch wenn das Technische stimmt, gibt es beim Timing kleinere Unsicherheiten. Bläst der Wind die Fackel aus und züngeln die Flammen im richtigen Moment in die Höhe? – bei der Premiere klappte dieses Kunststück genauso wie alles andere reibungslos. Doch wird der zeitliche Ablauf auch bei den übrigen Aufführungen klappen? «Wir werdens sehen», gibt sich Tristan Jäggi gelassen. Wenn alles perfekt voraussehbar wäre, fände er Theater gar nicht lustig.