Chlini Büüni Buchs: Evergreen im neuen Gewand lädt zum Lachen ein

Am 27. Oktober feiert die Chlini Büüni Buchs mit dem Komödienklassiker «Tante Jutta aus Kalkutta» in der Pemo-Arena Premiere. Das Publikum darf sich auf fröhliche Vorstellungen voller Witz und Wendungen freuen.

 

In der 35. Theatersaison setzt die Chlini Büüni Buchs (CBB) mit «Tante Jutta aus Kalkutta» auf einen Komödienklassiker, der bereits Jahrzehnte auf dem Buckel hat: 1953 feierte er als Filmlustspiel in Deutschland Premiere und wurde 1962 als Aufführung des Kölner Millowitsch-Theaters mit einer Einschaltquote von 88% im Fernsehen übertragen. Seit seiner Schweizer Erstaufführung im Jahr 1970 hat der Schwank in drei Akten über 300 Produktionen erlebt – und 2020 eine Neubearbeitung durch den Zürcher Theaterautoren Atréju Diener erfahren.

 

Im Zentrum der rasch an Fahrt aufnehmenden Handlung steht Thomas Nägeli: Der Pflichtverteidiger lebt auf grossem Fuss, in einer schicken Wohnung mit Seeblick und Butler, auch den einen oder anderen Klienten unterstützt er grosszügig. Das geht ins Geld – für das zum Glück Tante Jutta aus Kalkutta aufkommt, die als Gegenleistung jedoch einen anständigen Lebenswandel erwartet. So erfindet der gewitzte Neffe nach und nach Ehefrau, Sohn und Schwiegervater, die es zu versorgen gilt. Diesmal wartet er jedoch vergebens auf den jährlichen Geburtstagscheck, stattdessen steht die Tante aus dem fernen Indien vor der Tür. Wie soll Nägeli ihr die geflunkerte Geschichte erklären – und wie wird er sie bloss wieder los?

 

Mit viel Witz und überraschenden Wendungen hält das Stück in der modernisierten Fassung mit dem Untertitel «Rent a Family» neben einem gänzlich neuen dritten Akt auch ein, zwei weitere Rollen bereit – insgesamt deren neun. «Alle die spielen wollten, können spielen», sagt Regisseurin Nathalie Dietiker-Fuhrer zufrieden. «Die Charaktere sind spannend und vielfältig, die Besetzung muss natürlich stimmig sein.» Das Alter scheint dabei kein entscheidendes Kriterium zu sein – auch diesbezüglich legt der 73-Jährige Beni Burkhalter als Nägelis Freund Louis Nicollier grosse Wandelbarkeit an den Tag. Flexibilität beweist auch die gleichaltrige Margrith Schuhmacher, die bei Bedarf für jede Rolle einspringt – so können auch wenn jemand in den Ferien ist, alle Szenen geprobt werden. Die Allrounderin schrieb zudem die Einleitung zum Stück, beim Vortrag wird sie von der 14-jährigen Elina Huber unterstützt. «Ein echtes Nachwuchstalent», lobt die Regisseurin.

 

Mehr Raum zum Spielen

 

Zum ersten Mal wird an diesem Mittwochabend nicht wie seit Ende April im Kulissenraum an der Buchser Bahnhofstrasse, sondern auf der grossen Bühne in der Pemo-Arena geprobt. Um 20 Uhr sind Technik, Licht und Ton eingerichtet. «Mehr Platz, das bedeutet auch: Ihr habt mehr Raum zum Spielen», schärft die Regisseurin den Schauspielenden ein. Gefeilt werden muss nur noch an Kleinigkeiten, hier die Lautstärke, dort der richtige Gang, die Mimik sitzt, hier und dort fehlt noch der richtige Fluss. «Es kann vielleicht etwas zackiger sein: Dafür müsst ihr nicht schneller reden, nur etwas flüssiger», merkt sie nach dem ersten Vorhang an.

 

Die 52-jährige Buchserin gehörte 1987 zu den Gründungsmitgliedern. Das Handwerk der Schauspielleitung lernte sie an der Regieschule in Solothurn, doch steht sie regelmässig auch selbst auf der Bühne. Ihr Theaterdebut gab Nathalie Dietiker-Fuhrer vierjährig als Statistin. «Mein Grossvater war Schauspieler. Das war wohl der Auslöser.»

 

Auch für den Ustemer Stefan Felix ist das Theater ein Kindheitstraum, den er sich mit 48 Jahren erfüllte, seit 2019 verstärkt er das Team. Haupt- und Nebendarsteller kennt man hier nicht, sondern spricht von grossen und kleinen Rollen.   Mit über 300 Einsätzen gehört seine Rolle als Thomas Nägeli eindeutig zur ersten Kategorie: «Das musste ich mir schon gut überlegen, denn das heisst üben, üben, üben», erzählt er in der Pause. Der viele Text sei nicht das Problem, weiss seine Kollegin Viviana Spena, welche die titelgebende Rolle verkörpert. «Die Herausforderung ist immer, sich in die jeweilige Rolle einzufühlen – die meist ganz anders ist, als du im wahren Leben bist.»

 

Kein Hobby sondern Passion

 

Lange schon hatte sie, damals noch junge Mutter, die Inszenierungen des Laientheaters besucht, bevor sie sich 2007, gemeinsam mit einer Freundin, zu einer Probe traute. «Noch immer gibt es vor jeder Premiere den Moment, wo ich denke, ich weiss nichts mehr. Doch dann gehe ich raus und merke – jetzt bin ich da», beschreibt die Schauspielerin das aufputschende Gefühl, vor Publikum zu spielen. «Theater ist kein Hobby, es ist eine Passion», ist sie sich mit ihrem Bühnenpartner einig. Und so sei auch die Chlini Büüni Buchs nicht einfach ein Verein, sondern eine «Familie» gemessen am Zusammenhalt und der gegenseitigen Unterstützung und Achtung.

 

«Beim ersten gemeinsamen Lesen haben wir Tränen gelacht», bestätigt Viviana Spena den besonderen Reiz des Stücks. «Ich glaube, die Leute brauchen das auch dieses Jahr: Das sie kommen, gemeinsam lachen und glücklich wieder heimgehen – es wäre schön, wenn wir das schaffen.»          

Text: Martina Kleinsorg, Furttaler

Bild: zvg

Erschienen: 20. Oktober 2023

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