Bild aus der Krimikomödie "Der Hexer" von Atréju Diener, nach einem Roman von Edgar Wallace, gespielt vom Hoftheater Erlach.

Hoftheater Erlach: Mörderisches Verwirrspiel unter freiem Himmel

Blitz und Donner hat es am Mittwochabend glücklicherweise nur auf der Bühne gegeben. Vor fast ausverkauften Rängen feierte das Hoftheater Erlach seine Premiere von «Der Hexer».

 

Ein lauschiges Städtchen im Süden Endlands: Die Sekretärin des zwielichtigen Rechtsanwalts Maurice Messer hat sich in ihrem Zimmer erhängt. Und schon steht Scotland Yard vor der Tür, in Gestalt zweier Inspektoren: James Richards und Alan Wembury. Denn die Selbstmörderin war nicht irgendeine Frau.

 

Meghan Milton war die Schwester eines lang gesuchten Serienkillers, genannt der Hexer. Den Übernamen hat der Mann, der nur Verbrecher um die Ecke bringt, die die Polizei nicht dingfest machen kann, wegen seiner Wandelbarkeit. Er weiss sich so gut zu verkleiden, dass bisher niemand sein wahres Gesicht erblickt hat. Man munkelt, nicht einmal seine eigene Frau würde ihn verkleidet wiedererkennen.

 

Nun muss der ehemalige Arbeitgeber der Toten, Maurice Messer, um sein Leben bangen, denn der Killer macht ihn für den Tod seiner Schwester verantwortlich. Die Scotland-Yard-Männer Wembury und Richards sollen den Anwalt beschützen und den Hexer endlich fassen.

 

Wird der Killer den Anwalt umbringen?

 

Wird der Killer aus seinem Versteck kommen und den Anwalt umbringen? Und was hat dieser wirklich mit ihrem Tod zu tun? Mehr als einer spielt in diesem Stück ein doppeltes Spiel, ahnt man rasch. Wer ist das kleptomanisch veranlagte Hausmädchen? Wie sauber sind die beiden Mitglieder des Ermittlerteams, Verhaltenspsychologe Dr. Siegfried Lomond und der Spezialagent des FBI, Raymond Bliss? Scheinbar wollen alle den ominösen Killer finden, bevor es zu spät ist für Maurice Messer.

 

Doch werden sie es schaffen? Von diesen Fragen lebt die Spannung des Abends, der unter der Regie von Olivier Tambosi entstanden ist. Seine Regiearbeit brachte ihn in seinem Leben um die ganze Welt. In der Region inszenierte er zuletzt «Die Sieben Todsünden» am Theater Orchester Biel Solothurn. Den Wallace-Krimi in Erlach bringt er auf Berndeutsch auf die Bühne. In die Adaption wurden auch aktuelle Bezüge eingebaut. Diese wären nicht immer nötig und wirken manchmal etwas gesucht. Doch sie sorgen beim Premieren-Publikum für Lacher.

 

Tambosi versteht es, jede Spielerin und jeden Spieler mit glänzenden Momenten hervorstechen zu lassen. Dabei reicht das Altersspektrum der Laien-Spielenden von 12 bis 75 Jahre. Und vom Theater-Greenhorn bis zum routinierten Bühnen-Wiederholungstäter. Denn unwichtige Rollen gibt es nicht im Stück, gefordert werden alle. «Einmal etwas bis zum Ende richtig durchziehen», das habe er gelernt bei den Proben diesen Sommer, erzählt Maël Maschietto (12), der zum ersten Mal dabei ist und gleich schon einen Kleinkriminellen mimt.

 

Seine Zwillingsschwester Zoé Maschietto ist zum zweiten Mal dabei. Sie spielt die neue Assistentin von Anwalt Messer. Während des Stücks vergisst man schnell, wie jung sie ist. Das liegt nicht nur an der Schminke, sondern vor allem am souveränen Auftritt. «Nervös bin ich eigentlich nicht», sagt sie vor der Premiere. Herrlich witzig ist ihr unangenehm stiller Fast-Teetrink-Moment zusammen mit Marcel Brunner, der Alan Wembury spielt.

 

Beim Verwirrspiel «Der Hexer» erwartet man viel gute Arbeit beim Make-up und den Perücken – und einige Trenchcoats, die über die Bühne flattern. Lena Weikhard (Bühnenbild, Kostüme) und Sandra Schubert (Maske) haben da definitiv abgeliefert.

 

Wunderbar wandelbar ist Elisabeth Aellen. Mit Zuhälterbärtchen und Verbrechervisage spielt sie in herrlich überzeichneter Körperlichkeit den schmierigen Anwalt Maurice Messer, dem nicht nur der Hexer den Tod an den Hals wünscht. Sehr schräg ist Aellens Spiel vor allem dann, wenn sie der toxischen Männlichkeit so richtig freie Bahn lässt und mit dem weissen Chesterfield-Sofa kopuliert. Doch an die Wand gespielt wird hier niemand, die Gruppe bringt den Abend gemeinsam zum Abschluss, natürlich mit überraschendem Finale.

 

Detail verhelfen zu Leichtigkeit

 

Alles in allem ist ein unterhaltsamer Theaterabend im Hof des Schlosses Erlach gelungen. Man spürt die genaue Arbeit Tambosis mit den Spielenden. Die Tee-Szene, die nicht gegessenen Guezli von Alice Winterbottom, der stoische Auftritt Ernst Scheurers als Wachtmeister Sanders.

 

Es sind diese Details, die dem Ganzen Leichtigkeit verleihen und die vielen Textzeilen auch mal auflockern. Einzig hie und da wünscht man sich etwas mehr Dynamik. Das mag am beinahe 100-jährigen Stoff sowie an der Sprache, der berndeutschen Adaption liegen, die das Ganze nicht gerade rasant macht.

 

Zu durchbrechen vermag das hin und wieder Sonja Zurbuchen. Sie mimt herrlich lustig eine scheinbar nichtsnutzige Möchtegern-Miss-Marple, Messers Nachbarin, Alice Winterbottom.

Text und Bild: Simone K. Rohner, Bieler Tagblatt

Erschienen: 21. Juli 2023

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