Meisterdieb Lupin gelingt im Obergoms sein grösster Coup

Eine spannende Gaunerkomödie mit viel Humor und emotionalen Höhepunkten ist derzeit in Münster zu sehen. Dies mit einem Finale, das beinahe alles auf den Kopf stellt. Ein Theaterbesuch.

 

«Arsène Lupin – und das Collier der Königin» ist eine Gaunerkomödie in zwei Akten von Atréju Diener. Sie ist frei nach Maurice Leblanc gestaltet, der die Abenteuer von Lupin zwischen 1905 und 1935 in 20 Romanen, zwei Theaterstücken und etlichen Kurzgeschichten beschrieben hat.


Der fiktive Meisterdieb ist in Frankreich und im französischsprachigen Teil Kanadas besonders populär. Auch in unseren Breitengraden ist er jedoch kein Unbekannter.
Arsène Lupin verabscheut Gewalt und tötet nur in absoluter Notwehr. In den Romanen geniesst er allermeist die Sympathien der Allgemeinheit, da seine Opfer stets auf sehr fragwürdige Weise zu ihrem Reichtum gekommen sind.


Im Theatersaal Rottä in Münster blicken die Besucher auf ein Lounge-Abteil des Simplon-Nostalgie-Express. Das edel eingerichtete Abteil ist im Stil der 1920er-Jahre gehalten. Die sehr sorgfältige Inszenierung gefällt.

Links hinten in der Ecke steht eine kleine Bar-Theke. Hinter dieser kippt der von Nicola Imsand gespielte Barkeeper den einen oder anderen Drink herunter und klopft munter Sprüche. Daneben steht ein Klavier und rechts davon hängt ein Bild, hinter dem sich, wie sich später im Stück zeigt, ein Tresor befindet.inks der Bühne befindet sich der Eingang zu den Suiten der Premium Class. Rechts davon führt ein offener Abgang zum Speisewagen und zu den «normalen» Kabinen.


Die Szenerie wirkt lebendig, da hinten rechts zwei Bildschirme an der Wand montiert sind. Diese stellen Fenster dar, auf denen Bilder von vorbeiziehenden Orten und Landschaften zu sehen sind. An der Wand links und rechts davon hängen klassische Bahnhofsuhren, die jeweils automatisch oder vom Regiepult aus auf die aktuelle Uhrzeit im Stück gestellt werden.


Ganz vorne auf der Bühne des Waggons sind drei kleine Tische mit insgesamt fünf Sesseln platziert. Hier spielt sich das Geschehen mehrheitlich ab.


Ein Mann mit Eleganz und Rafinesse, List und Charme


Zu Beginn betritt jedoch Arsène Lupin, hervorragend gespielt von Roberto Imoberdorf, Präsident des Theatervereins, die Bühne. Lupin ist um die 70 Jahre alt, leicht ergraut. Er trägt Hemd und Gilet sowie in Lupin-Manier einen Zylinder auf dem Kopf. Er wirkt charmant und intelligent und hat ein schalkhaftes Lächeln aufgesetzt.


Arsène Lupin blickt kurz ins Publikum und spricht es dann direkt an. Vor vielen Jahren habe es bereits einen Mann gegeben, der die Kunst des Diebstahls perfektioniert habe: «Ein Mann mit Eleganz und Raffinesse, List und Charme. Von den einen gefürchtet, von den anderen bewundert.» Ein Gentleman. Eine Legende. Und ein Meisterdieb: «Sein Name: Arsène Lupin.»

 

Diesem sei der Nervenkitzel mindestens genauso wichtig gewesen wie der Wert der Beute: «Dank seiner Raffinesse war er der Polizei immer zwei Schritte voraus.» Der Legende nach hat nie jemand sein wahres Gesicht gesehen.

Während des Sektempfangs im Abteil des Simplon-Nostalgie-Express herrscht bald schon helle Aufregung. Die eigenwillige Sophie von Falkenstein, gespielt von Madlen Bortis oder Yvette Zeller, erhält einen mysteriösen Brief. In diesem wird der Diebstahl ihres äusserst wertvollen Colliers angekündigt.


Um Punkt Mitternacht soll das Schmuckstück entwendet werden. Und das von niemand Geringerem als Arsène Lupin, dem grössten Gentleman-Gauner der Geschichte.
Sophie von Falkensteins Gatte Willibald – gespielt von Karl Jost – mag nicht an den Coup glauben und spielt den Inhalt des Briefs herunter: «Jemand hat sich einen schlechten Scherz erlaubt.» Willibald Falkenstein umgarnt seine Gattin mit allerlei Kosenamen und glänzt zwischendurch mit technischen Erfindungen.


Nur einer kann den angekündigten Diebstahl möglicherweise verhindern: Lupins grösster Widersacher, Inspektor Henri Ganimard (Valentin Imsand). Ganimard steigt auf der 18-stündigen Fahrt in Basel zu. Für ihn ist klar: Jeder und jede der Zuggäste könnte der Dieb oder die Diebin sein, denn Lupin ist ein Meister der Verkleidung, ein «Chamäleon».

uf der Weiterfahrt in Richtung Venedig kommt es zum Showdown der beiden brillanten Köpfe. Im Zentrum steht die Frage, ob Ganimard den Coup des Meisterdiebs vereiteln kann oder ob Lupin ihm wieder ein paar Schachzüge voraus ist.


Nur so viel sei hier verraten: Der Diebstahl gelingt und der Fall wird vollständig aufgeklärt. Aber wie? In einer weiteren Rolle in der Gaunerkomödie ist Tim Werlen als Theo «Bambi» Rosenwald zu sehen. Er ist Assistent der von Julia Imwinkelried oder Nicole Williner gespielten Immobilienmaklerin Silvia Knoll. Martina Biderbost spielt die Zugmanagerin Ricarda Bayer, Natascha Werlen oder Nina Bacher spielen die Zugbegleiterin Céline Ehlinger und Elisabeth Carlen spielt die Zugpassagierin Hildegard Ochsenschläger.


Mit der Gaunerkomödie hat Regisseur Daniel Biderbost sicher eine sehr gute Wahl getroffen, die auch technisch optimal umgesetzt worden ist. Das Publikum hat sich während der Aufführung gut amüsiert.

Text: Daniel Zumoberhaus, Pomona

Bild: zvg

Erschienen: 8. Januar 2026