Bild aus der Theaterproduktion "Hesch en Vogel?" von der Theatergruppe Rhybrugg Diepoldsau. Eine Komödie von Atréju Diener.

Theater in Diepoldsau: Es ist nichts so, wie es scheint

Im neuen Stück der Diepoldsauer Theatergruppe Rhybrugg «Häascht an Voogil» stiften zwei Bankräuber Verwirrung in einer Werbeagentur. Ein Vogel ist mitschuldig und mausert sich zum Publikumsliebling.

 

Zu Beginn des Premierenabends gehen in der Mehrzweckhalle die Lichter aus, eine Sirene heult. «Dä Schück kunnt», murmelt eine Besucherin und löst erste Lacher in ihrer Tischreihe aus. Nein, nicht ein Notarzt eröffnet das Stück, sondern zwei Bankräuber, die vor der Polizei fliehen. In ihrer Not schleichen sie sich durch ein Fenster in eine Werbeagentur, wo der seit Längerem erfolglose Werber Daniel Waibel, gespielt von Remo Langenegger, waltet. Er hält den nervösen Bankräuber-Lehrling, treffend dargestellt von Thomas Blank, für einen potenziellen Kunden. Im nächsten Moment erhält der Werber einen Kopfschlag einer Tür, durch die der andere Bankräuber, den Janik Ender poiniert mimt, in die Agentur hereinplatzt.

 

Nun beginnen meisterlich gespielte Werbeeinlagen von Remo Langenegger. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, fühlt er sich mal wie ein Swissair-Nostalgiker, wie der Ricola-Erfinder oder auch wie der legendäre Fischer-Bettwaren-Verkäufer. Das Publikum lacht schallend und gibt spontanen Zwischenapplaus. In weiteren Rollen tauchen drei neue Gesichter auf. Andreas Odermatt, als Maler – oder Designer, wie er sich selbst nennt – Laura Frei als Influencerin und Andrea Jäckle als Sekretärin, die aber undercover als Polizistin ermittelt. «Eine schwierige Rolle, da es eine Doppelrolle ist», sagte der Autor des Stücks, der Winterthurer Atréju Diener, der zu Besuch war und nicht mit Lob geizte: «Alle Neuen haben ihre Rollen sehr gut gespielt.» Voller Spielfreude bewegten sie sich auf der Bühne mit den erfahrenen Darstellenden wie Silvana Mainardi, die als Schwester Agatha das Kloster Grimmenstein vertritt.

 

Die Theatergruppe versteht es, Lokalkolorit und Dialekte einzuflechten, was vom Publikum nur zu gern aufgenommen wird. Der Vogel Fridolin, der Waibels Frau gehört, gespielt von Karin Aerni, macht sich im Stück Freunde und Feinde. Wegen Malerarbeiten zu Hause wird er in die Agentur gebracht. Die Influencerin findet den «bunten Pinguin» süss, der Werber ist von der «farbigen Fledermaus» genervt und ruft wiederholt: «Schnauze, Fridolin!»

 

Beachtlich ist, wie die Vogelpuppe gesteuert wird. Regieassistentin Melanie Knöpfel bewegt Fridolin per WLAN und Laptop. Die Stimme leiht ihm die Souffleuse Maria Hutter. «Das Timing ist entscheidend», sagte Melanie Knöpfel. Es gelang, inklusive der Schlusspointe. Die Premiere der Komödie kam beim Publikum gut an. «Ich habe schon lange nicht mehr so oft gelacht an einem Abend», sagte Ramona Koller aus Diepoldsau. «Es war sehr kurzweilig.» «Die jungen und die erfahrenen Darstellenden passen gut zusammen», sagte Sepp Koller, der schon mehrere Aufführungen der Theatergruppe besuchte. «Gefreut habe ich mich besonders auf den Schauspieler Remo Langenegger», sagte Marlies Frei, ebenfalls aus Diepoldsau. «Es ist wunderbar, ihm zuzuschauen.»

 

Gern in einer Rolle gesehen hätten viele auch Markus Frei. Das langjährige Theater-Mitglied wirkt bei der aktuellen Produktion jedoch hinter den Kulissen in tragender Funktion, Frei führt Regie. Wer das Stück demnächst selbst schaut, darf sich auf eine unerwartet romantische Wendung freuen. Waibel fragt sich zu Recht: «Sind wir hier etwa bei Bankräuber, ledig, sucht?»

Text: Hildegard Bickel, Rheintaler

Bild: Hildegard Bickel

Erschienen: 23. Oktober 2023

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