Ein Bundesrat, ein Wasserschaden und Chaos ohne Ende

Mit dem Stück «Ruedi for President» feierte die Theatergruppe Rhybrugg am Freitagabend eine lachmuskelzerfetzende Premierenvorstellung, bei der kein Auge trocken blieb.
 

Die Theatergruppe Rhybrugg hat sich mit ihrer neuen Produktion «Ruedi for President» selbst übertroffen. Die rund 200 Besucher der Premiere am Freitagabend in der MZH Kirchenfeld in Diepoldsau waren begeistert. Und werden am Samstag, am Tag nach der Premiere, vermutlich über einen Lachmuskelkater klagen. Denn wohl noch nie war ein Tippilzouer Theaterabend so voller Komik, Slapstickeinlagen und bester Unterhaltung.

 

Launige Einführung

 

Aufgeführt wurde ein Stück des Autors Atréju Diener, den Theatergruppenpräsident Urs Spirig in seiner launigen Einführung persönlich begrüssen durfte. «Herzlich willkommen zur Nominationsversammlung der Bundesratskandidaten», empfing er die anwesenden Theaterfreunde, darunter auch eine Delegation der Theatergesellschaft Flums. Und wiederholte diese Begrüssung auf italienisch und französisch. Jedenfalls klang es so, auch wenn diese Worte für Fremdsprachenkundige keinen wirklichen Inhalt und Sinn ergaben.

 

Das Stück sei wie die Politik in Bern, «manchmal hat man nichts zu lachen, manchmal ist alles zum Lachen». Der Inhalt dieser Theaterposse? Nationalrat Ruedi Zellweger, brillant komödiantisch dargestellt von Daniel Graber, steht vor der Wahl in den Bundesrat. Und ist deshalb mit seiner Gattin Tanja im ältesten und maroden Zimmer eines ansonsten vollkommen ausgebuchten Hotels abgestiegen. Wo er die strenge und konservative Fraktionschefin der Zentrumspartei Dr. Theresa Hartmann erwartet, die ihn und seine Gattin durchleuchten will, um ihrer Partei noch eine Wahlempfehlung geben zu können.

Jasmin Gasser gab die resolute und unkonventionelle Gattin Tanja Zellweger.

Turbulente Verwechslungen

 

Doch kurz vor diesem Gespräch eskaliert ein Streit zwischen den Ehegatten und Tanja stürmt aufgebracht aus dem Hotelzimmer. Gut, dass gerade das Zimmermädchen Anna-Lena anwesend ist, die von einer Schauspielkarriere träumt und sich überreden lässt, beim Gespräch mit Tanja Hartmann die Ehefrau des Bundesratskandidaten zu mimen. Was sich sogar recht gut anlässt – bis plötzlich wieder Tanja, seine Ehegattin, wieder in der Tür steht. Da sind turbulente Verwechslungen vorprogrammiert.

 

Dazu mischt Autor Atréju Diener noch einen spät-romantischen und tollpatschigen Zimmernachbarn, der es schafft, sein Badezimmer mit einem heimeligen Schaumbad unter Wasser zu setzen, eine hartnäckige Journalistin, die hinterlistige Bundesratsmitkandidatin und einen Magier. Kein Wunder, dass es auf der Bühne ohne Unterbrechungen turbulent zugeht.

Die gestrenge Frau Dr. Theresia Hartmann (li), gespielt von Bea Bischofberger mit "Ersatz-Ehefrau" Zimmermädchen Anna-Lena, gespielt von Sonja Fehér,

Herzlich-komische Ausstrahlung

 

Wobei alle Protagonisten grossartig agierten. Besonders hervorzuheben sind aber Jasmin Gasser als Ruedi´s manchmal unkonventionelle Frau Tanja, sowie Sonja Fehér als Zimmermädchen Anna-Lena Zäch, die mit herzlich-komischer Ausstrahlung die naive Schauspielkarriereträumerin gibt. Und mit Lachstürme erntenden Sprüchen wie «Das isch der füdlibutte Wahnsinn» glänzen darf. Herrlich konservativ-verstockt und liebeskrank spielt auch Karl Sieber als Jérome Thurnherr den unerfahrenen und plötzlich Liebe und Romantik entdeckt habenden Revisor der Firma des Bundesratskandidaten Ruedi.

 

Wie sich Ruedi wieder aus dem angerichteten Chaos herauswindet, ob es ihm gelingt, trotz allem die Bundesratswahl zu gewinnen, und ob er und seine Frau Tanja wieder zusammenfinden, das sei alles nicht verraten. Denn schliesslich kann jederfrau und jedermann an den noch folgenden sieben Aufführungen im Kirchenfeld und dann nochmals bei zwei Reprisen im Jänner im Kinotheater Madlen selbst herausfinden, was noch alles passiert. Ein Besuch wird dringend empfohlen. Denn wie heisst es so schön: Lachen ist die beste Medizin! Und ein natürliches Aufputschmittel an tristen Herbsttagen.

Text: Ulrike Huber, rheintal24

Bild: Ulrike Huber

Erschienen: 19. Oktober 2024